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Beate Koller

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2013-02-08

Der Nutzen von Saatgutvielfalt


Mit der Entwicklung des Ackerbaus in verschiedenen Kulturen der Erde vor rund 10.000 Jahren, begann eine weitreichende Ko-Evolution von Menschen und Pflanzen. Während der Mensch für die Kulturpflanzen zahlreiche Hilfsfunktionen übernahm - wie Versorgung mit Wasser und Nährstoffen, Entfernung von Konkurrenzpflanzen, Samenvermehrung und -verbreitung – ermöglichten die Nutzpflanzen dem Menschen, größere Populationen zu ernähren, sesshaft zu werden, Gesellschaften zu entwickeln und auch neue Lebensräume zu erschließen. Beide – Menschen wie Pflanzen – veränderten sich in dieser Symbiose im Laufe der Jahrtausende massiv.


Durch die Verbringung von Nahrungspflanzen in neue Gebiete der Erde entfalteten die Nutzpflanzen eine Vielfalt, die weit über die Diversität ihrer wildwachsenden Vorfahren hinausgeht. Diese Anpassung an neue Klima- und Bodenverhältnisse wurde von den Menschen unterstützt und auch durch kulturelle Faktoren, allen voran die Ernährungsgewohnheiten, geprägt.


Über 4.000 Kulturpflanzenarten sind heute (noch) bekannt – man schätzt die wirkliche Zahl auf 7.000 – in wahrlich unzählbaren Spielarten und lokalen Varianten. Diese Vielfalt ist natürlich in konkrete räumliche und soziale Bedingungen eingebettet; sie lässt sich nicht beliebig „verpflanzen“.


Bekanntlich haben die Industrialisierung der Landwirtschaft im Westen und der Export unseres Ernährungssystems in andere Teile der Welt dazu geführt, dass dieser Kulturpflanzen-Reichtum global gesehen stetig und rasant verdrängt wird. Die 30 marktwirtschaftlich wichtigsten Kulturen stellen heute auch 90% der Kalorienversorgung; insgesamt schätzt die FAO einen Verlust von 75% der landwirtschaftlichen Vielfalt von 1900 bis heute. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass der Großteil der Menschheit – wohl 70% - sich heute noch aus lokalen, kleinbäuerlichen Strukturen ernährt. Auf vielen dieser Kleinbetriebe werden auch heute noch lokal entwickelte Nutzpflanzen kultiviert. Da sich viele in Herkunfts- oder Vielfaltszentren unserer Kulturpflanzen befinden, ist diese Tatsache nicht nur für das Überleben der Kleinbauern und -bäuerinnen, sondern auch für die Bewahrung traditioneller Sorten und Arten von großer Bedeutung.


Mit diesem Blick auf die globalen Verhältnisse wird auch klar, welche Bedeutung einer standortangepassten Kulturpflanzenausstattung auch heute noch zukommt. Der globale Saatgutmarkt bietet dabei jene vielfältigen und spezifischen Saatgutsorten nicht an (und kann dies aufgrund seiner Struktur auch gar nicht), die für die Aufrechterhaltung vieler lokaler Ernährungssysteme notwendig sind.


Aber auch bei uns in Mitteleuropa ist der Bedarf an geeignetem Saatgut sicher vielfältiger, als der kommerzielle Saatgutmarkt es abbildet. Die moderne Pflanzenzüchtung mit ihrer jahrzehntelangen Konzentration auf konventionelle, chemie- und energieintensive Anbausysteme hat uns überwiegend Sorten beschert, die sich nicht mehr regionalen Gegebenheiten anpassen können, sondern für deren erfolgreichen Anbau optimale Umweltbedingungen gegeben sein müssen. Das erzielt man in Gewächs- und Folienhäusern oder durch Beschränkung des Anbaus auf genau definierte Gunstlagen. Wenn die Umweltbedingungen hingegen nicht so richtig mitspielen, dann braucht es sehr rasch die ganze Palette agrochemischer „Hilfsmittel“.


So ist heute auch das Angebot an spezifisch für die Bedingungen des ökologischen Landbaus entwickelten Sorten und Arten noch sehr gering. Und unsere Ernährung basiert – im Vergleich zu der Vielzahl an potentiellen Nahrungspflanzen – auf einer kleinen Anzahl botanischer Arten, wovon Mais, Soja und Weizen in industriell verarbeiteter Form oft unvermutet in sehr vielen Lebensmitteln zu finden sind. Die Konsequenz dieser Einseitigkeit ist auch für viele Menschen im Westen „Mangelernährung im Überfluss“.

Vor dem Hintergrund endlicher Ressourcen und einer früher oder später unumgänglichen Re-Ökologisierung der Landwirtschaft und vor dem Hintergrund des Klimawandels wird es in Zukunft immer wichtiger werden, auf regional gut angepasste Kulturpflanzen zurückgreifen zu können.


Hierfür ist es einerseits wichtig, die bereits aus dem Markt verdrängte Vielfalt an Lokalsorten zu sichern und verfügbar zu halten. Dies kann über öffentliche oder gemeinschaftlich verwaltete Samenbanken oder in Erhaltungsnetzwerken geschehen, wobei sowohl Produktionsbetriebe, als auch Selbstversorgergärten eine wichtige Rolle übernehmen können. Darüber hinaus braucht es aber innovative Formen der Pflanzenzüchtung, am besten im partizipativen Zusammenwirken von ZüchterInnen und Bauern/Bäuerinnen, die imstande sind, eine große Palette von Kulturarten und –sorten entsprechend weiter zu entwickeln.


Dies rührt unmittelbar an zwei Zukunftsfragen der Kulturpflanzen: Wie können wir sicherstellen, dass fruchtbares, samenfestes Saatgut und das entsprechende Know How verfügbar bleibt? Und wie kann die Finanzierung einer vielfältigen Züchtungslandschaft gewährleistet werden?

Weitere Artikel der Serie zum Thema Biodiversität:
Susanne Gura, im Interview mit Franziskus Forster:
r Wie steht es um die Biodiversität?

Georg Grabherr:
r Hat die Biodiversität einen Nutzen oder ist sie ein Wert an sich?

Andreas Exner:
r Wie kam die Vielfalt in die Ökobewegung?

Robert Foltin:
r Bunt statt grau – soziale Bewegungen verändern den Kapitalismus

Zeitschrift SOL, Sonderbeilage "Sustainable Austria" zum Thema Biodiversität:
www.nachhaltig.at
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