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Mimenda

Die Handlungen sind die Frucht der Gedanken. Waren diese weise, so sind jene erfolgreich.

[Baltasar Gracián, 1601 - 1658]

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Sämtliche Beiträge

2007-09-04

Aktionismus

Oder: Nazis aufs Maul

Aktivismo

Bekanntlich sind Wörter, die auf -ismus enden, oft negativ konnotiert. Als Beispiel mag "Fanatismus" reichen. Die Konnotationen, die solche Wörter auslösen, sind hingegen dem Wandel unterworfen. Nur deshalb durfte ein Wort wie "fanatisch", das die "Begeisterung" zum Absoluten erheben und sie potentiellen wie realen Fanatikern bis zur Entgeisterung einhämmern wollte, bei den Nazis nicht bloß in keinem "guten" Satz fehlen (vgl. Victor Klemperer, LTI [Lingua Tertii Imperii - Sprache des Dritten Reichs; d. Verf.], Berlin 1947, S. 62-67), sondern auch einen öffentlich wirksamen, würzigen Beigeschmack erzeugen.

Beim "Fanatismus" schwingt heute im deutschsprachigen Raum wohl nur noch Negatives mit. Mit dem "Aktionismus" verhält es sich hingegen anders: ob man mit diesem Wort etwas Positives oder Negatives verbindet, ist offenbar Ansichtssache. Die inhaltliche Seite des sprachlichen Ausdrucks (das Signifikat) wäre demnach nicht festgelegt.

Der Duden versteht unter Aktionismus zum einen das Bestreben, das Bewusstsein der Menschen oder die Zustände in Gesellschaft, Kunst oder Literatur durch gezielte (provozierende, revolutionäre) Aktionen zu verändern, zum anderen fasst er Aktionismus als übertriebenen Tätigkeitsdrang auf.

Dabei hat es den Anschein, als sei die zweite Bedeutung bereits im Kern in der ersten enthalten. Dass Bewusstsein durch Provokation anzusprechen und durch sich revolutionär gebende Aktionen zu beeinflussen sei, ist kaum zu bezweifeln. Aber dass es revolutionäre Aktionen überhaupt gibt, zumal solche, die eine Veränderung der Zustände bewirken sollen, will mir geradezu als contradictio in adjecto (als Widerspruch im Beiwort) vorkommen. Aktionen können nach meinem Verständnis nicht revolutionär sein, weil sie stets etwas Äußeres adressieren, dem sie bloß einen anderen Anstrich geben wollen und weil sie zudem auf ein unmittelbares und somit minimales Ziel gerichtet sind, nämlich auf Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Provokation oder Erregung von Aufmerksamkeit durch revolutionäres Gebaren (was gemeinhin auf dasselbe hinausläuft).

Das Innere, das im Revolutionären, also im Umkehren und Umwälzen sich entdecken müsste, bleibt hiervon unberührt. Es kann nur ans Licht treten und zu einer gesellschaftlichen Realität werden, die Bestand hat, wenn die Wirklichkeit in den Köpfen aller Beteiligten dem, was sie sich zum Ziel gesetzt haben, angemessen ist. Revolutionäres Handeln kann daher nur Folge eines Denkens sein, das alle oder eine sehr große Mehrheit derer, welche die Revolution vollführen wollen, erfasst hat, sich aber nicht dadurch verwässern lässt, dass es sich auf eine Massenbasis bezieht und stützt, die dem Denken hinterherhinkt und so die "revolutionäre Aktion" bloß instrumentalisiert und sie damit zur schlichten Pseudorevolution macht. In diesem Sinne verstehe ich Marx und Engels, wenn sie schreiben:

    Ist also die Revolution, die alle großen geschichtlichen "Aktionen" repräsentieren kann, verfehlt, so ist sie verfehlt, weil die Masse, innerhalb deren Lebensbedingungen sie wesentlich stehenblieb, eine exklusive, nicht die Gesamtheit umfassende, eine beschränkte Masse war. Nicht weil die Masse sich für die Revolution "enthusiasmierte" und "interessierte", sondern weil der zahlreichste, der von der Bourgeoisie unterschiedne Teil der Masse in dem Prinzip der Revolution nicht sein wirkliches Interesse, nicht sein eigentümliches revolutionäres Prinzip, sondern nur eine "Idee", also nur einen Gegenstand des momentanen Enthusiasmus und einer nur scheinbaren Erhebung besaß.
    (Marx/Engels: Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. MEW Bd. 2, S. 86)

Aus den Marxschen Schriften erhellt, dass Aktion, so nicht im naturwissenschaftlichen Zusammenhang von ihr die Rede ist, überwiegend als eine Bündlung vieler bewusster und intendierter Handlungen verstanden wird. Womöglich erklärt dies die positive Bedeutung von "Aktion" und "Aktionismus" bei sich als links verstehenden Menschen. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Marx und Engels die Pseudoaktion, die "scheinbare Erhebung" (das Wort "Aktionismus" scheinen sie übrigens noch nicht zu kennen) dann gegeben sehen, wenn im Prinzip der Revolution, also im Kern dessen, wovon sie ihren Ausgang nimmt, nicht das wirkliche Interesse der Masse steht, sondern die bloße Idee, welche zwar sehr wohl eine Bewegung auszulösen vermag, die aber aufgrund der fehlenden sozioökonomischen Erdung verpufft.

Auf derselben Seite heißt es weiter: "Mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Aktion wird also der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist". Kann das etwas Anderes bedeuten als dass Revolution auf insistierendem Denken beruht, das sich geschichtlich durch die Gründlichkeit des Handelns, das in seiner Konsequenz liegt, umso deutlicher Bahn bricht, je mehr es ihm gelingt, jene, welche es zu befreien gilt, damit letztlich alle frei werden können, nicht zu überreden, sondern durch Theorie und die ihr angemessene Praxis zu überzeugen?

    Diese weitbefreiende Tat durchzuführen [d.h. die Ergreifung der öffentlichen Gewalt durch das Proletariat; d. Verf.], ist der geschichtliche Beruf des modernen Proletariats. Ihre geschichtlichen Bedingungen, und damit ihre Natur selbst, zu ergründen und so der zur Aktion berufnen, heute unterdrückten Klasse die Bedingungen und die Natur ihrer eignen Aktion zum Bewußtsein zu bringen, ist die Aufgabe des theoretischen Ausdrucks der proletarischen Bewegung, des wissenschaftlichen Sozialismus.
    (Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. MEW Bd. 19, S. 228)

Will man hier den wissenschaftlichen Sozialismus nicht als das sehen, wofür ihn die Politbüros der sogenannten kommunistischen oder sozialistischen Parteien des sogenannten real existierenden Sozialismus offenbar hielten, bleibt nichts weiter übrig als das Proletariat als eines zu verstehen, dessen theoretische und praktische Seite so intim ineinander verschränkt sind, dass jede Trennung von Theorie und Praxis als untrügerisches Zeichen objektiver Unwahrheit einer kommunistischen Revolution gelten muss. Dem füge ich hinzu, dass ich auch in Bezug auf jedwede wie auch immer geartete Bewegung derselben Auffassung bin.

Sobald also das Handeln dem Denken vorausgeht oder die Basis bloß als Handlanger des eigenen Wollens mitschleppt, verliert Aktion den Begriff, den ihr Marx und Engels einprägen, insofern sie zwar ein Ziel vor Augen hat, welches aber objektiv ein falsches ist und sein muss. Solche Aktion, solcher Aktionismus also, ist von Ansinnen her zwar menschlich gesehen nur allzu verständlich, weil er rasch mit etwas aufwarten will, was Abhilfe schafft oder eine Lösung produziert. Er ist indes objektiv unvernünftig, insofern ihm just das Moment fehlt, das ihn überhaupt in die Lage versetzen würde, radikal und damit revolutionär zu sein: ein Denken nämlich, das sich am Handeln zu messen hätte und dieses sich an jenem.

Denn er bezieht sein Motiv aus nichts wesentlich anderem als aus mehr oder weniger gestauter Wut, gebändigtem Zorn, aus Geltungssucht, Neid oder aus überbordender Freude, unbändigem Gerechtigkeitsempfinden usw., also bloß aus irgendwelchen gerechtfertigten oder ungerechtfertigten "Emotionen", die nur zufällig und stets nur partiell mit der geschichtlichen Notwendigkeit zusammentreffen, die sie schon deshalb verfehlen, weil sie gar nicht in der Lage sind, sie zu erkennen. In der Begründung des treibenden Motivs auf Emotionen degeneriert aber Revolution und jegliche gesellschaftliche Bewegung zu einer psychosozialen Veranstaltung, die ihr die Kraft zu angemessenem Handeln entwindet.

Gesagtes würde wohl dem zuneigen, was unter dem Stichwort "Aktionismus" auf www.socioweb.de zu finden ist: "(lat.) betriebsames, unreflektiertes Handeln; Begriff für politische oder soziale Aktionen, mit denen unklar definierte gesellschaftliche Veränderungen bezweckt werden". Denn wer betriebsam und zugleich unreflektiert handelt, ist nicht Subjekt seiner Handlungen, sondern Objekt von etwas, worüber er sich keine umfassende Rechenschaft zu geben weiß: insofern handelt er nicht, er wird getrieben. Und mit Getriebenen lässt sich nun einmal kein Staat machen und nicht einmal - oder erst recht nicht - eine Revolution, wenn diese nicht bloß Mittel zu dem Zwecke ist, die bis dato herrschenden Verhältnisse mit Gewalt außer Kraft zu setzen, damit jene Selbsterwählten herrschen, die allein verstehen, wofür ihre subalterne Gefolgschaft nur brachial zu handeln und - wenn überhaupt - mindertheoretisch zu eifern im Stande ist: die Fortsetzung der Unterdrückung ist die notwendige Konsequenz, und nicht einmal in den Mitteln unterscheidet sie sich von jenen, gegen die sie revoltiert.

Denn selbstverständlich können solche Getriebene einen hübschen Aufstand anzetteln und ganz viel eigenes oder fremdes Blut vergießen. Fragt sich bloß, ob das dem Ziel nutzt, das auf den Fahnen steht. Vielleicht aber braucht es solch ein "Ziel", denn unter irgendeinem Zeichen will offenbar stets gesiegt werden, egal ob unter Parolen, dem Kreuz, mit oder ohne Haken, unter Hammer und Sichel oder unter weiß Gott was für einem Zeichen. Das Ziel, dem der Inhalt temporär entfleuchte oder das diesen nie hatte, wird zum Abhub seiner selbst, den es sich in Abwehr des Ekels darüber zum Götzen erhebt und in die Fahne wirkt.

Sie muss immerfort flattern und Aufhebens machen wie der erigierte Primat, der sich stolz in die Brust schlägt: weil es ihr am allerwenigsten um das geht, was sie im Banner trägt. Da sie nicht weiß oder nicht wissen will, was sie im Schilde führt, wird sie zum Abziehbild jenes feindlichen Banners, das sie so enthusiastisch zu bekämpfen glaubt. "Nazis aufs Maul", als ob sie nichts von einer SA wüssten, die zu Beginn des Faschismus öffentlich jenen das Maul stopfte, die es nicht im rechten Sinne öffneten.

    Pseudo-Aktivität vermag einzig durch unablässige Reklame sich am Leben zu erhalten. Gibt der Kontrahent nicht nach, so wird er disqualifiziert und des Mangels eben der Eigenschaften bezichtigt, welche von der Diskussion vorausgesetzt würden. Deren Begriff wird ungemein geschickt so zurechtgebogen, daß der andere sich überzeugen lassen müsse; das erniedrigt die Diskussion zur Farce. Hinter der Technik waltet ein autoritäres Prinzip: der Dissentierende müsse die Gruppenmeinung annehmen. Unansprechbare projizieren die eigene Unansprechbarkeit auf den, welcher sich nicht will terrorisieren lassen. Mit all dem fügt der Aktionismus in den Trend sich ein, dem sich entgegenzustemmen er meint oder vorgibt: dem bürgerlichen Instrumentalismus, welcher die Mittel fetischisiert, weil seiner Art Praxis die Reflexion auf die Zwecke unerträglich ist.
    (TWA. Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Dialektische Epilegomena. GS 10.2, S. 771)

Praxis, der Reflexion auf die Zwecke unerträglich ist, ist eine, die keine Erfahrung macht außer der, sich allein in der Praxis lebendig zu fühlen. Aber selbst dieses Gefühl von Lebendigkeit wäre für Adorno bloßes Zeichen der Wirksamkeit des Zaubers. Eine solche Praxis muss sich dem Diskurs entweder offen oder latent verweigern, weil schon jeglicher exoterische, also öffentlich und laienhaft vorgetragene Anflug unmittelbar in das Zentrum jener jämmerlichen Esoterik zielt, die aus Angst vor der eigenen Unwahrheit den Zugang nur "Eingeweihten" erlaubt und sich so vor ihrer Demaskierung schützt.

    Aktionismus ist regressiv. Im Bann jener Positivität, die längst zur Armatur der Ichschwäche rechnet, weigert er sich, die eigene Ohnmacht zu reflektieren. Die unablässig "zu abstrakt" schreien, befleißigen sich des Konkretismus, einer Unmittelbarkeit, der die vorhandenen theoretischen Mittel überlegen sind. Der Scheinpraxis kommt das zugute. Besonders Gewitzigte sagen, Theorie sei - ähnlich summarisch wie sie über Kunst urteilen - repressiv; und welche Tätigkeit inmitten des status quo wäre es nicht auf ihre Weise. Aber das unmittelbare Tun, das allemal ans Zuschlagen mahnt, ist unvergleichlich viel näher an Unterdrückung als der Gedanke, der Atem schöpft.
    (TWA. Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Dialektische Epilegomena. GS 10.2, S. 776-777)

Nur in der Dialektik von Theorie und Praxis gewinnt die Utopie einer Menschheit Gestalt, vor der diese selbst sich nicht zu fürchten bräuchte. Die Einseitigkeit aber zeitigt Stumpfheit oder Terror, gleich auf welcher politischen Seite:

    Wird der Begriff fortgeworfen, so werden Züge sichtbar wie die einseitige, in Terror ausartende Solidarität. Geradeswegs setzt die bürgerliche Suprematie der Mittel über die Zwecke sich durch, jener Geist, den man dem Programm nach beficht.
    (TWA. Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Dialektische Epilegomena. GS 10.2, S. 777)

Wer aufs Maul schlagen will, ist wütend, und dies sicherlich oft zu recht. Wut war indes noch nie ein guter politischer Ratgeber, nicht nur, weil es ihr an Vermögen fehlt, wahr und falsch zu unterscheiden, sondern weil sie sich als Instrument der herrschenden Verhältnisse einspannen lässt, deren Repräsentanten sich mit unverhohlener - gleichwohl gekünstelter - Entrüstung ins rhetorische Zeug legen, um sich, sobald die Kameras wegschwenken, mit verhohlener und klammheimlicher Schadenfreude über jene ins Fäustchen zu lachen, welche sich freiwillig und objektiv zu nützlichen Idioten einer Herrschaft machen, die sie doch subjektiv zu brechen hoffen.

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D.W-A, 2007-09-04, Nr. 3898

lieber mimenda,
also für mich wäre ein welt auch ganz schön fade wenn immer vorher alles genau durchdacht wird und dann erst die aktion passiert.
gerade in der kunst, ist die zufälligkeit einer aktion oft ein große erfahrung.
im tun, in der aktion können prozesse und gedankenkanäle geöffnet werden, welche nicht immer vorher kalkulierbar sind. und das ist auch gut so.
ich kenne die menschheit so wie sie sich darstellt, aggressiv und wütend. warum das so ist, darüber kann man streiten, manche behaupten es auch zu wissen.
ich bin definitiv für aktionismus, hauen wir uns doch gegenseitig die „goschen“ ein, dann sind wir endlich alle mause tot und endlich ist eine ruh.
oder wir spielen es (für mich persönlich der bessere weg), auch eine möglichkeit seine wut abzubauen. mit spielen meine ich mittel und wege zu finden, um die wut und die aggression in eine form umzuleiten, wo niemand zu schaden kommt, verletzt oder gedemütigt wird. also zBsp. statt denkmäler zu beschmieren, oder zu zerhauen, könnte ich mir für diese menschen gut vorstellen, aktiv in kreative-künstlerische vorgänge einzutauchen, mit materialien zu arbeiten, die niemanden verletzen, also farbe, ton, stein etc. in morast zu wühlen, mit seinen händen etwas herzustellen.. aber auch aggressives-wildes malen mit farben, oder sich mit farbe zu bewerfen!, kann ein guter und positiver weg sein, sich zu befreien und wut abzubauen. (vielleicht wäre adolf hitler ein schlechter künstler geworden, aber vielleicht wäre dann dieses ganze grauen nie geschehen...)

dieses tiefe bedürfnis wird uns aber von schuljahr zu schuljahr mehr und mehr ausgetrieben. dabei steckt es in jeden von uns.
ja, mimenda. es geht wie immer um die kinder und wie sie aufwachsen und was für lebensmodelle ihnen die großen vorleben.

un bacio!

ps: marx, engels etc. waren auch mal kinder.

Selektiven Wahrnehmung, 2007-09-04, Nr. 3899

Ein durchaus grundlegendes pädagogisches Prinzip.
Mut zur Freiarbeit!

Casa Bambini, 2007-09-04, Nr. 3900

Genau der letzte Absatz stimmt von unserer lieben
D. W-"A"!

Das bedeutet, dass niemand einen Plan für das Kind machen kann. Es muss seine Individualität selbst aufbauen, d.h. es schafft aus dem Nichts den Erwachsenen. Die Kindheit ist demzufolge nicht als Durchgangsstadium zum Erwachsenen zu sehen, sondern eine eigenständige Aufbauphase, die innerhalb der Kultur bzw. der Gesellschaft entsprechend hoch bewertet werden muss. Das sogenannte Montessori-Phänomen, die “Polarisation der Aufmerksamkeit”

Mimenda, 2007-09-04, Nr. 3901

mag ja alles subjektiv richtig oder auch falsch sein, was ihr da schreibt, aber das ist ein komplett anderes thema. mir ging es darum, die objektiv richtigen aktionen von den bloß subjektiv richtigen begrifflich zu trennen. offenbar ist mir das nicht zureichend gelungen. objektiv falsches bewusstsein heißt, den eigenen interessen zuwider zu denken und in der konsequenz auch zu handeln. wie kann ich mich also vergewissern, dass ich nicht objektiv falsch handle, wo mir doch an einer nachhaltigen umwälzung dieses systems, dessen handlanger ich bin, das ich aber auch befeuere durch die objektive ideologie, die ich vor euch ausbreite und ihr vor mir, subjektiv gelegen ist. es geht nicht um meinungen, es geht um das ganze, das das wahre werden soll. oder wollen wir uns lieber in den sandkasten setzen und uns mit sandkuchen bewerfen? ok, das ist ein zeitvertreib, manchen menschen macht das spaß. ich finde die entwicklung der welt zu wichtig, als sie mit gedanklichen spielereien zuzubringen, obwohl: im gedankenspiel lässt sich so einiges zufällig finden, was sich ohne dieses nicht erschlossen hätte. insofern: OK, wenn es mittel zum zweck ist. wenn nicht, ist's kunst um der kunst willen, und das ist keine mehr, in meinen augen, jedenfalls keine objektive kunst.

übrigens: individualität, wenn dieses wort noch einen sinn haben soll, ist sie von vorneherein gegeben. insofern ist sie auch nicht aufzubauen, noch aus dem nichts zu schaffen (also wirklich :-). das die kindheit eine bürgerliche konvention ist, sollte doch auf der hand liegen. aber ohne diese, also ohne plan, wann menschen in welcher phase ihres lebens zu schützen seien sollen oder nicht, wohin kommen wir da? ein menschenkind kann sich nicht von ganz allein entwickeln. natürlich wäre es super, wenn wir endlich dem kind mehr raum geben könnten, aber das eben setzt gerade voraus, dass wir zu einer objektiven kenntnis unserer situation gelangen, die wir aber nicht haben. denn wir argumentieren aus der sicht des selbst bereits beschädigten, maßen uns aber dennoch an, die beschädigung der nachwachsenen verhindern zu wollen und machen damit uns als bock zum gärtner. denn bevor wir wissen können, was zu tun wäre, müsste die lage genaustens analysiert und vor allem - mit herz und seele - verstanden und dann ein weg gefunden werden, der zwar richtig wehtut, der aber von allen maßgeblich an der pädagogik beteiligten mitgetragen wird. aber wir haben es ja gerne einfach, und deshalb glauben wir, mit einer idee oder ein paar theorien sei alles zu lösen. so einfach ist es nicht, leider!

tiefenpsychologie, 2007-09-04, Nr. 3902

dann rate ich zu einer tiefenpsychologie, so können wir unsere wurzeln besser aufzuspüren.

D.W-A, 2007-09-04, Nr. 3903

na bitte, da haben wir es doch:
ein menschenkind kann sich nicht nur von alleine entwickeln. richtig!
also?
objektiv(sachlich, aha)(frei von vorurteilen, ja bitte!) handelnde eltern-lehrer-erzieher-bezugspersonen. zärtliche gefühle und mitgefühl? schon auch? oder vergessen wir die gänzlich?
mir stellt sich nur die frage:
wie willst du diese menschen, die jetzigen erwachsenen dazu bringen, dass sie zu einer objektiven kenntnis unserer situation gelangen?
dabei spreche ich nicht von denen die es eh kapiert haben, nein, es geht um die menschen, die ihre „nicht“ objektiven handlungen weiter und weiter geben, nämlich leider oft unbewusst!
ist ja auch okay, sich über das wort aktionismus gedanken zu machen.
aber was sagst du dann zum bsp. den pariser vorstadtjugendlichen, welche durch die straßen gefegt sind? leute, euer aktionismus war scheisse? na erklär das mal einen aufgebrachten, voller wut aufgestauten hasserfüllten alleine gelassenen jugendlichen. da kriegst ganz einfach auch gleich eines über die rübe.

ich bitte um genauer erklärung deines satzes:
-das die kindheit eine bürgerliche konvention ist, sollte doch auf der hand liegen-
da kann ich dir jetzt nicht folgen. bitte noch mal. danke

abgesehen davon, finde ich es mehr als enttäuschend, dass du meinen vorschlag, der spielerischen-künstlerischen aufarbeitung von aggression und wut, als sandkastenspiele bezeichnest, war doch so gemeint? wenn nicht, sorry, falsch verstanden, wenn ja, dann kann ich dazu nur sagen, da spricht eindeutig eine person zu mir, die mir einreden will, dass meine idee blöd und scheisse ist. so wie in der schule halt.
ich glaube die krux ist ganz wo anders begraben und es ist nicht alles kompliziert und soo schwer zu verstehen, diese welt und ihre menschen...(diese argumentation, „so einfach ist es nicht“ ist ja auch eine typisch angelernte alla „ so was kann man doch nicht machen“, oder, „alles ist ganz schwierig und nur mit gesenkten hauptes zu ertragen“ amen) und:
die super intellektuellen haben die weisheit auch nicht mit dem löffel gefressen und wenn ein marx oder wer auch immer, so viele richtige sachen gesagt hat, dann frag ich mich nur, warum es bis heute nicht bei den menschen angekommen ist... sind dann einfach alle so blöd? oder sind womöglich die philosophen die komplizierten??ha ha ha da kann ich echt nur noch lachen.
aber bitte: verbringt weiterhin GANZ viel zeit thesen über thesen aufzustellen. philosphiert und zitiert weiterhin die großen philosophen und versteckt euch hinter denen.
ich bin gespannt was dabei heraus kommt...

während dessen werde ich mich mit farbe beschmieren...ja ja ganz infantil.

Mimenda, 2007-09-04, Nr. 3904

wohl bekomm's! ich hoffe, sie lässt luft hindurch, deine farbe :-)
antwort in kürze auf der leserbriefseite!

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