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Ingo Timmerer

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2000-09-26

Mazona

Ein beinahe wahre Geschichte

Abschnitt I
Noch vor dem Essen, kam der großartige Augenblick der Geschenksübergabe. Meine Tante griff in ihre Handtasche und zog zwei Packerln heraus. Ich war erst erstaunt, dann reagierte ich aber rasch und versuchte anhand des Formats zu ergründen, wie wohl der jeweilige Inhalt aussehen konnte. Und tatsächlich keimte ein Hoffnungsschimmer in mir auf.
"Los mach auf!" drängte meine Tante.
Und ich nahm das handlichere der zwei Päckchen an mich und ohne Rücksicht auf Verluste, riss ich grob die Schleife samt Klebestreifen mit einem Ruck ab. In einer Tausendstelsekunde registrierte ich das Markenzeichen eines Schweizermessers auf dem winzigen Teil des Verpackungskartons, der sichtbar wurde. Es war der erhabenste Augenblick meines Lebens. Ich glaubte von da an in Zeitlupe zu agieren, mit einer Leichtigkeit und unendlicher Zufriedenheit belohnt für das lange Zittern, für die über Monate dauernd erlittene Qual. Ich war so euphorisch, dass ich meiner Tante einen Kuss direkt auf den Mund drückte, obwohl es mich sonst Überwindung kostete, sie nur zu berühren, da ihre grobporige talgige Haut mit dick aufgetragenem Make-up verklebt war, und ich immer den Eindruck hatte, dass sie einer frisch einbalsamierten Mumie ähnlich sah.

Ich öffnete die Falze des Kartons und ließ das Messer in meine Hand gleiten. Es lag satt und gewichtig darin, schweizermesserrot, edelstahlfunkelnd, noch unberührt. Ich klappte mit Hilfe meiner Fingernägel einen Teil nach dem anderen auf und vernahm nicht einmal die Bemerkung meiner besorgten Mutter, dass ich aufpassen sollte, mich nicht zu verschneiden, und die meines Vaters, der es für vernünftig empfand, mir das Messer wegzunehmen und nur dann zu geben, wenn ich es tatsächlich benötigen würde, da es als Spielzeug zu gefährlich sei. Und gerade in diesem Augenblick rutschte ich ab und zog mir die Klinge über die Kuppe des Zeigefingers, die sich in einem glatten sauberen Schnitt öffnete. Ich will nicht verleugnen, dass der Schmerz höllisch war. Ich zuckte aber nicht weg, sondern empfand eine sonderbare Zuneigung zu diesem Ding, das mich verletzt hatte. Panisch reichte mir meine Mutter eine Serviette über den Tisch, mit ähnlicher Spontaneität versuchte mir mein Vater das Messer zu entwinden, welches ich nicht aus der Hand zu geben beabsichtigte. Mit einer Drehung meines Handgelenkes entkam ich seinem Vorhaben, ohne ihn nicht auch verletzt zu haben. Er sprang von seinem Sessel, der zu Boden krachte, sog mit seinem Mund das Blut aus der Wunde an seinem Unterarm und startete zu einem erneuten Anlauf, dem ich meinerseits nur durch eine Finte nach links ausweichen konnte, wobei ich das zweite ungeöffnete Packerl mit dem Ellebogen auf den Boden wischte. Den dritten Angriff parierte ich durch die Möglichkeit mit meinem Stuhl auf zwei Beinen nach hinten zu schwingen. Bei der darauf folgenden Pendelbewegung zurück in meine Ausgangsposition traf jedoch ein Stuhlbein unverschuldet auf das am Boden liegende Packet, das dies mit einem eindeutigen Knirschen verriet.
"Um Himmels Willen! Die Uhr!!!" schrie Tante und vergrub verzweifelt ihr Gesicht in ihre Handflächen.
"Idiot!!!" keifte mein Vater, der nie Kraftausdrücke verwendete, in dieser Situation aber schlichtweg die Nerven verlor.

Abschnitt II
Ich verlor sie nicht, es konnte passieren, was wollte.
Und es passierte, was wollte! Ich musste mir mindestens drei Ohrfeigen coram publico gefallen, mich als unvernünftig, eigensinnig, undankbar gegenüber Lebenden und Toten bezeichnen, die Drohung von zwei Wochen Hausarrest über mich ergehen lassen. Aber das Messer hielt ich fest in der Hand, und mit dem Druck meiner Finger schnitt die Klinge immer fester in mein Fleisch, bis mir die Tränen kamen, die Tränen der Demütigung und nicht der physischen schmerzen, die ich erlitt. Ich glaubte auf einmal Jesus zu verstehen, der seinerseits nichts verstand, wahrscheinlich so wenig wie ich, der sich quälen lassen musste für eine Sache, die gar nicht seine war. Vielleicht gab es nicht nur einen Jesus, sondern tausende, tausende Alltagsjesi, Menschen, die angesichts der äußeren Umstände verrieben. Vielleicht war ich einer von ihnen.
Ich JESUS!!!
Jesus mit dem Schweizermesser!!!
Meine Male waren vier zerschnittene Finger, die genäht werden mussten. Mein Messer müsste die Inschrift KVVG - Klaus von Villach, Vertreter der Gequälten - tragen. Aber mir reichte, dass das Emblem auf meinem Taschenmesser ein Kreuz war, wenn auch nur das Schweizerkreuz.
Auch egal!
Ich hatte, was ich wollte!


Abschnitt III
Das Hotel, in dem Biedermann untergebracht war, hätte tatsächlich nicht mehr als einen Stern verdient, obwohl es als Viersterne-Hotel im Prospekt geführt war. Biedermann verfluchte jetzt schon den Tag, an dem er die Gewinnkarte ausgefüllt hatte. Er hatte trotz der Affenhitze die Fenster geschlossen. Die stark frequentierte Straße, die auf der Seite, an der sein Zimmer lag, vorbeiführte, trug keine Asphaltdecke, sondern war mit rötlichem Sand planiert, der ständig in die Luft wirbelte, wenn ein Fahrzeug vorbeiraste. Schon bei der Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel fiel ihm auf, dass die Brasilianer Geschwindigkeitsfanatiker waren, die, egal um welchen fahrbaren Untersatz es sich handelte, permanent mit durchgetretenem Gaspedal und Hupe unterwegs waren.

Gleich nach seiner Ankunft wollte Biedermann eine wohlverdiente Dusche nehmen - sogar das berühmte Duschgel war ihm noch vor der Abreise zugesandt worden. Es dauerte eine geschlagene Stunde, bis er in Erfahrung brachte, wo sich die Brause befand. Das Personal war nicht sonderlich bemüht, ihm Auskunft zu erteilen, dessen Grund er dann bald erfuhr. Biedermann stand unter der Brause, drehte vorsichtig den Wasserhahn auf, von dem es zu seiner Verwunderung tatsächlich nur einen gab. Die Leitungen erzeugten ein seltsames Gurren und Rasseln. Mit Spannung erwartete er den Wasserstrahl. Es muss sich wohl um eine Verstopfung handeln, dachte er, als sich plötzlich eine tiefbraune Flüssigkeit über seinen Körper ergoss. Brasilien das Land des Kaffees. Kaffee aus der Wasserleitung, wie genial!

Die Abkühlung musste sich Biedermann eben im hauseigenen Swimmingpool verschaffen. Er zog sich seine Badehose an, band sich ein Handtuch um die Hüften, setzte seinen Strohhut auf, schnappte sich seine Strandtasche, in der er Sonnenschutzmittel, wie im Reiseführer empfohlen, eine Illustrierte und seine Zigaretten aufbewahrte, und stieg die Treppen hinab. Als er durch die Glastüre, die in den Garten führte, schritt, fielen ihm die vielen Sonnenschirme und -liegen auf, die allerdings nicht besetzt waren. Nun gut, so kann ich mir ein angenehmes Plätzchen am Pool suchen, war er, der Gesellschaft nicht unbedingt schätzte, zufrieden. Gleich in unmittelbarer Nähe des Liegestuhls, den er sich erwählte, stand eine Art Pavillon, der die Bar sein sollte, deren Strohdach ziemlich zerfranst aussah. Biedermann erkannte sofort, dass in dieser Saison noch kein Drink über die Theke geschoben worden war. Er legte das Badetuch ab und schritt zum Rand des Beckens. Das Wasser hatte eine undefinierbare Farbe und die einzigen Badegäste, die er ausmachen konnte, waren aufgedunsene schon vor Tagen ersoffene Ratten, die in Gemeinschaft mit Melonenschalen und Plastiksäcken in regenbogenfarben schillernden Ölteppichen trieben.

Biedermann stürmte in die Hotelbar, wo zwei stockbesoffene Brasilianer miteinander stritten, und beschwerte sich in rasender Wut über die schauderhaften Zustände. Dem Barkeeper entlockte die Schimpfeskapade ein mitleidiges Schulterzucken. Er schien nichts zu verstehen. Biedermann verstand seinerseits die Welt auch nicht mehr!

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