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Franziska Zentrich

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2004-08-05

Etymologische Analyse von kärnöl

Fragen Sie Franziska!

Sehr geehrte Frau Franziska!

Vorab herzlich Dank für Ihre doch recht umfangreichen Ausführungen. Sie haben in mir eine fast kindliche Neugier und einen schier unstillbaren Wissensdurst geweckt. Ungeachtet der intensiven Suche im kärnöl – Archiv konnte ich keine für mich befriedigenden Antworten auf folgende Fragen finden: „ Woher leitet sich das Wort „kärnöl“ ab? Was bedeutet es und wie ist es entstanden?“

In Erwartung einer hilfreichen Antwort

Ihr Franz Hochl


Lieber Franz!

Sie scheinen mir ja ein ganz „Schlimmer“ zu sein? Täuscht Wissensdrang vor und will mit unsereiner eigentlich nur Süßholz raspeln? Aber lassen wir uns beide einmal bei Seite und beschäftigen wir uns mit Ihrer nicht uninteressanten Frage.

Wenn wir das Wort „kärnöl“ sprachwissenschaftlich qualifizieren wollen, so handelt es sich dabei wahrscheinlich um ein zusammengesetztes Kurzwort, ähnlich den im angloamerikanischen Sprachraum häufig angewendeten Verkürzungswortschöpfungen z.B. USA, GATS, KRISIS etc.. Im deutschen Sprachraum sind diese Stenogrammtendenzen noch nicht so gebräuchlich (z.B. Moped, Kurzwort für Motor und Pedal). Obwohl aus der Sicht der Homophonie dem steirischen Wort Kernöl gleich, hat es mit diesem schwarzen, öligen Genussmittel der südsteirischen Landbevölkerung rein gar nichts zu tun.
Etymologisch ist „kärn“ wie der Name „Kärnten“ über das Keltische vermittelt worden - zu indogermanisch „(s)kar-o-nt, Gestein, steinige Gegend“ – und leitet sich aus dem indogermanischen Wortstamm „kar- (s)kar- hart (sein)“ ab.
„öl“ - mittelhochdeutsch „öl, öle“ – leitet sich vom althochdeutschen Wort „oli“ ab und bezeichnet ein unter normalen Temperaturbedingungen flüssiges Fett. Es wird aber in manchen ländlichen Regionen auch als Synonym für einen Rauschzustand verwendet.
Wir haben es daher bei „kärnöl“ mit einem polysemantischen Wort zu tun, das einerseits als „steiniges, hartes Fett, Steinfett, steiniges, hartes Öl, Steinöl“, andererseits als steiniger, harter Rauschzustand verstanden werden kann.
Welche Semantik Sie, lieber Franz, bevorzugen, wird sicherlich davon abhängig sein, welche Konotation Sie „kärnöl“ zuschreiben. Da eine konotative Analyse nur unter Berücksichtigung individueller und gesellschaftlicher, historischer sowie gegenwärtiger Aspekte sinnvoll erscheint und mir diesbezüglich Ihre soziologisch anamnestischen Daten noch nicht zur Verfügung stehen, möchte ich heute davon Abstand nehmen.

Bei der Recherche über die Entstehungsgeschichte des Wortes „kärnöl“ musste ich mich leider auf ein, kulturhistorisch und wissenschaftlich betrachtet, sehr unsicheres Terrain begeben. Leider sind uns aus den Anfängen der kärnölzeit keine schriftlichen Aufzeichnungen, Grabsteine und der gleichen erhalten geblieben, sodass wir uns hier nur auf mündliche Überlieferungen beziehen können. Wie mir einige zuverlässigen Zeitzeugen bestätigen, habe sich die Wortschöpfung kärnöl folgendermaßen zugetragen:

Gegen Ende des 21. Jahrhunderts, wahrscheinlich im Monat Oktober 1999. Stephan Jank, Sohn des in den Fünfzigerjahren von Künstlern wie Viktor Rogy, Hans Leeb, Gösta Maier sehr geschätzten Urban Jank, betritt völlig aufgelöst die tiefstgelegene Schutzhütte der Alpen. Setzt sich an seinen angestammten Platz und bestellt in seiner bekannten, lautstarken Art ein Bier und beginnt nicht wie sonst üblich mit den Stammgästen über die lokalpolitische Situation zu diskutieren. Stereotyp und monoton murmelt er immer wieder einen Satz vor sich hin, sodass sich die Anwesenden, allen voran der Wirt Hermann Obititsch berechtigte Sorgen um seinen gesundheitlichen Zustand machen. Bei seinem nächsten Bestellungsrundgang fasst sich Hermann Obitisch ein Herz und fragt Stephan Jank, was denn mit ihm los sei. „Kärntner Kunst im schwerem Öl, des konn ma doch net sogn. Des is vül zu long, des is a Schaß! Des muaß ondas haßn´, kiarza, prägnanta, oba wia?“ antwortet dieser und verfällt wieder in sein stereotypes Monologisieren. Hermann Obitisch zieht sich in seiner ruhigen und umsichtigen Art wieder an seinen angestammten Arbeitsplatz zurück und zapft Bier. Als er Stephan Jank dessen malzhaltiges Getränk serviert, sagt Herman Obitisch, ohne mit Stephan Jank in Blickkontakt zu treten beiläufig nur folgenden Satz: „kärnöl, hast des!“ dreht sich um und zieht sich wieder hinter seine Theke zurück. Kurzfristig herrscht in der tiefstgelegenen Schutzhütte der Alpen Totenstille. Keiner der Anwesenden getraute sich etwas zu sagen, geschweige denn sich zu rühren, bis Stephan Jank laut „kärnöl“ schreit, sein Bier in einem Zug leert und wie von einer Tarantel gestochen aufspringt um die tiefstgelegene Schutzhütte der Alpen eiligst mit den Worten: „Hermann, onschreibn bitte!“ zu verlassen.
Am Abend desselbigen Tages, so berichteten mir zuverlässige Zeitzeugen, habe Stephan Jank ein anderes Lokal mit Plakaten dieser Kunstwortschöpfung des Hermann Obitisch fast zugepflastert. Seit dieser Zeit hat das Wort „kärnöl“ als Bezeichnung für die emanzipatorischen Aktivitäten kulturschaffender Personen und als Wegweiser aus den trägen Viskositäten der verwalteten und geschützten Kärntner Kunstwerkstatt im allgemeinen Sprachschatz der einheimischen Bevölkerung Einzug gehalten.

In der Hoffnung, Ihre kindliche Neugierde und Ihren schier unstillbaren Wissensdurst etwas gestillt zu haben, wünsche ich Ihnen weiterhin viel Vergnügen beim Stöbern und Lesen der kärnöl – Dokumentationen.

Ihre
Franziska Zentrich

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Erika, 2004-10-16, Nr. 1421

Sehr geehrte frau franzi!

Darf ich sie so nennen?
Meine mutter heißt auch franziska.
Mein vater heißt franz.
Einer meiner brüder hieß erst franzi, dann fronz und nennt sich jetzt ganz regulär "franz".
Ich schätze all`diese abwandlungen, die uns der heilige franz von asissi beschert hat sehr, doch franzi gefällt mir am besten.
Darf ich also sie, mit franzi ansprechen?

Liebe franzi!
Dass du gestern, bei der geburtstagsfeier von kärnöl nicht dabei sein konntest, solltest du bedauern. Deine etymologische analyse von kärnöl, die franz in deinem namen in wissenschaftlicher diktion, eindringlich und unterhaltsam mit seiner samtenen stimme vortrug, war für alle anwesenden ein hochgenuß und auch eine wissenserweiterung zur
kulturgeschichte kärntens.
Ich hoffe du bleibst noch lange am leben, denn dein alter ist beträchtlich, um die dokumentation über kärnöl weiterhin in fluss zu halten.
Franzi, schau auf dich und ändere bittschön in keinem fall deine frisur, denn der franz steht auf dich. Nur so nebenbei, er ist wirklich "a klassa bursch", da franz hochl.

es grüßt dich herzlich
eine eingetunkte kärnölerin

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